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Mit Stahl, Beton und Fingerspitzengefühl

Claßenstraße: 55 Tonnen schwere Stahlträger werden an der Baustelle verbaut. Es entsteht eines der größten Hörsaalzentren Europas.

VON THOMAS VOGEL

Aachen. In der Nacht, gegen drei Uhr, ist es angekommen — um tags über den Verkehr nicht zu behindern. Das Objekt, das den Weg von Düren nach Aachen zur Baustelle des Hörsaalzentrums in der Claßenstraße erst nach 22 Uhr und mit Polizeieskorte angetreten hatte, lässt sich nich: mal eben im Golf transportieren. Immerhin bringt das stählerne Fachwerkelement das Gewicht von 42 dieser Mittelklasse-Autos auf die Waage. Rund 55 Tonnen sind das, die am Morgen nach der Lieferung an einem 400-Tonnen-Autokran baumeln. ...

Zwei Wochen sind die Bauarbeiter damit beschäftigt, acht dieser massiven Stahlträger zu vier Streben zusammenzuschrauben. Ihre Aufgabe wird es sein, das Dach der beiden größten Hörsäle - einer mit Platz für bis zu 1000, der andere für 800 Studenten - zutragen. Gleichzeitig werden sie den Boden für 16 Seniinarräüme im zweiten Obergeschoss sowie für Lüftungs- und Kälteanlagen bieten. In den insgesamt elf Hörsälen sollen mehr als 4000 Studenten Vorlesungen hören können. Es wird eines der grüßten Hörsaalzentren Europas.

Tonnenlast schwebt lautlos ein

„Ab sieben Uhr werden die Vorbereitungen getroffen“, sagt Karl Heinz Dittmann, der Ober-Bauleiter. Mit Arbeitsbeginn fällt der Startschuss für den Gerüstflug. Die Teile werden vom LKW gehoben, Ketten und Stahlseile werden ein gehängt, der Stahiträger schießlich aufgerichtet. Von Anspannung ist wenig zu spüren. Die zehn Männer, die direkt an der Aktion beteiligt sind, haben offensichtlich alles unter Kontrolle: von den beiden Kranführern über die vier Männer an den Führungsseilen und den drei Einweisern auf Arbeitsbühnen bis zum Verantwortlichen der Stahlbaufirma. Kurz nach zehn Uhr schwebt der Stahiträger langsam und lautlos über dem 15 Meter hohen Rohbau des Hörsaalkomplexes ein. In den Außenwänden sind Aussparungen, die mit dem Stahlkoloss millimetergenau getroffen werden müssen. Alles andere als einfach für die Kranführer. Sie müssen sich auf die Anweisungen verlassen, die über Funk von den Kollegen kommen. Regen, Schnee, Hitze, Kälte — es gibt kaum ein Wetter, das der Aktion gefährlich werden könnte. Einzig zu heftiger Wind wäre fatal. Dann könnten die tonnenschweren Teile anfangen, unkontrolliert zu schaukeln. Der lange Winter hat dennoch geringfügig Zeit gekostet. Ute Willems, stellvertretende Leiterin der Aachener Niederlassung des Bau und Liegenschaftsbetriebs: „Wir haben ungefähr zwei Monate verloren. Bei dem großen Projekt, bei der Bauzeit, ist das in Ordnung.“
Die Einzelträger sind bis zu 24 Meter lang, überspannen zusammengeschraubt später die gesamte Gebäudebreite von 56 Metern. Solch dicke Fachwerkträger sind nötig, weil die großen Hörsäle drei Geschosshöhen an Eaumvolumen haben. Das Projekt wird auf rund 14000 Quadratmetern Fläche umgesetzt. Die Stahlträger selbst werden nach der Bauphase nicht mehr zu sehen sein.
 Nach 15 Minuten ist der Spuk vorbei. Der Träger und das Verbindungsteil zum Gegenstück für die andere Seite müssen nun in luftigen 15 Metern Höhe miteinander verschraubt werden. „Er bleibt solange am Kran hängen, bis die andere Hälfte am Auflagepunkt befestigt ist. Und wenn dann alles untereinander abgestrebt, verzurrt ist, dann kann er erst vom Haken genommen werden“, erklärt Dittmann. Um 17 Uhr könnte es vollbracht sein, schätzt er. Studenten sollen, wenn die Prognose eingehalten wird, 2014 die ersten Vorlesungen im Neubau hören können.

Das Video zum Artikel gibt‘s auf www.an-online.de

Was das Projekt kostet und woher das Geld kommt

Dass ein Bauvorhaben dieser Größenordnung nicht billig ist, stellt keine Überraschung dar. Insgesamt soll die Umsetzung 45 Millionen Euro kosten.


Das Geld kommt aus dem Hochschulmodernisierungsprogramm (HMoP) des Landes Nordrhein-Westfalen, mit dem die Landesregierung die Rahmenbedingungen für Forschung und Lehre verbessern will.

Aus dem gesamten Topf von zwei Milliarden Euro, die im ersten Schritt zur Verfügung gestellt werden, fließen alleine 230 Millionen Euro nach Aachen. Für die kaiserstädtische Niederlassung des Bau- und Liegenschaftsbetriebes (BLB), Bauherr auch dieses Projektes, ist das Hörsaalzentrum eines der größten betreuten Bauvorhaben.

Da die Mittelvergabe aus dem HMoP gedeckelt ist, musste der BLB die Entwürfe des dänischen Architekturbüros „schmidt hammer lassen architects“ anpassen. So teilen sich die Kosten nun auf in 40 Millionen Euro plus fünf Millionen Euro Planungskosten.

Bericht:
Aachner_Nachrichten_04_April_2013k1.pdf

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